Falke und Baum
Falke und Baum stehen für die beiden wichtigsten Götter in Talilla, für Tandemeo, den Gott der Krieger und Bauern und für Marucea, Göttin der Pflanzen und der Fruchtbarkeit. Während Tandemeo auf Sabema ein Gott der Männer ist und Marucea fast ausschließlich von Frauen verehrt wird, ist das in Talilla nicht der Fall.
Der Falke
Gottheit
Der Falke war ursprünglich ein Attribut von Tandemeo, dem Gott der Bauern und Krieger. Traditionell wird Tandemeo auf zwei Arten dargestellt:
- als Bauer mit einem Falken, der beobachtend neben ihm sitzt
- als Krieger mit einem auffliegenden Falken
Gerade das zweite Motiv ist in Talilla sehr beliebt. Der Falke im Flug (nicht im Angriff)wird auf vielen Gebäuden und Gegenständen abgebildet, als Ehren-, Schmuck- oder Schutzornament.
Auch heute ist der Falke genaugenommen noch ein Attribut, wird aber schon seit langem als Personifikation von Tandemeo angesehen und mit ihm gleichgesetzt, so daß Tandemeo auch als "Der Falke" bezeichnet wird.
Talilla selbst sieht sich als das "Land des Falken" und führt darum den Namen Talilla Icane (ica = Falke). Um ihre Verbundenheit zum Land zu demonstrieren und dem Gott zu Ehren werden auch alle Mitglieder des Militärs als Falken bezeichnet.
Tandemeo ist damit die wichtigste Gottheit des Landes.
Falkentempel
Die meisten Tempel Talillas sind dem Falken geweiht. Unter anderem liegt das daran, daß jede Garnisonsstadt, mag sie auch sonst keinen Tempel haben, zumindest einen Falkentempel hat.
Auch ist ein Falkentempel fast immer der erste, der gebaut wird, bevor an den Bau eines zweiten Tempels auch nur gedacht wird.
Aussehen
Falkentempel haben einen rechteckigen Grundriß. Die kurzen Seiten bilden dabei Vorder- und Rückseite, die langen Seiten die Längsseiten. Vor dem Eingang gibt es immer Stufen, je nach Gelände oder Größe des Tempels mehr oder weniger davon, doch mindestens zwei oder drei. In der Mitte der Stufen ist eine Rinne für den Tempelbach eingelassen. Bei vielen Tempeln wird der Eingang durch eine überdachte Säulenhallte geschmückt, deren Giebel mit einer Darstellung der Gottheit oder kornreichen Feldern verziert ist. Bei solchen Tempeln fehlt oft die Vorderwand. Bei einfacheren Tempeln fehlt diese Säulenhalle und damit das Giebelfeld. Hier ist oft die Vorderwand selbst bemalt.
Das Innere des Tempels ist in Längsrichtung dreigeteilt. Dabei nimmt der mittlere Teil in etwa die Hälfte der Grundfläche ein, die seitlichen Teile jeweils etwa ein Viertel.
Der mittlere Teil steigt von der Vorderwand zur Rückwand stetig an, abgeteilt in große, flache Stufen. Die Rückwand wird dominiert von einer Statue des Falken im Flug, möglichst groß und möglichst weit oben angebracht, um so den Raum zu überblicken.
Unterhalb des Falken entspringt der Tempelbach aus der Wand und fließt zuerst in ein Becken und dann auf einer vorgegebenen Bahn in Mändern über die einzelnen Stufen zum Eingang, wo er in der Rinne in den Stufen nach draußen nach draußen geleitet wird. Diese Rinne endet meist in einem weiteren Becken oder gar in einem Brunnen, manchmal mit Schmuckfigur.
Die Seiten des mittleren Teils des Tempelinneren werden durch niedrige Mauern, oder bei reicheren Tempeln von Säulen, von den Seitenflügeln abgegrenzt. Der Boden der Seitenflügel steigt nicht an und ist vollkommen eben. Die Flügel sind nicht weiter unterteilt, aber in der Außenwand gibt es Nischen und auch teilweise Türen, die in kleinere Anbauten führen.
Falkentempel haben kein Dach.
Funktion
Der mittlere Teil des Tempels ist der aktiven Verehrung des Falken vorbehalten. Dabei nähert man sich der Gottheit nicht nur symbolisch, sondern auch ganz real, indem man sich vom Eingang weg und auf die Rückwand mit dem Falken zu bewegt. Die meisen Leute bleiben in den vorderen, niedrigeren Bereichen, und nur Eingeweihten - dazu zählen neben den Angehörigen der geistlichen Berufe auch die Angehörigen des Militärs - ist es erlaubt, das Allerheiligste zu betreten. Dabei handelt es sich um die oberste Stufe, direkt unter den Fängen des Falken. Die Fläche ist frei einsehbar, wird aber durch eben diese Stufe sichtbar abgegrenzt. In einigen Tempeln ist die Stufe mit einem farbigen Mosaik verziert, um zu kennzeichnen, daß sie eine besondere abgrenzende Funktion hat.
Nur in seltenen Fällen darf auch ein nicht-Eingeweihter in Begleitung eines Priesters das Allerheiligste betreten, um dort zu beten oder ein Opfer darzubringen.
Die Seitenflügel des Tempels dienen dem religiösen Alltagsleben, dem Kontakt zwischen Gläubigen und Geistlichen, dem angeleiteten Gebet, dem Gespräch und dem Gewähren von Ratschlägen und Hilfe.
Der Baum
Gottheit
Die wichtigste Göttin Talillas ist Marucea, die Göttin der Furchtbarkeit und Geburt. Das Attribut der Göttin ist ein Baum, der mit ihr abgebildet wird, neben ihr, zu ihren Füßen oder sogar aus ihrer Hand wachsend. Alternativ hält sie auch Früchte von Bäumen in Händen oder trägt sie in einem Korb mit sich.
Auch Maruceas Attribut wurde personifiziert und wird heute in Gestalt des Schutzbaumes verehrt.
Anders als für Tandemeo, gibt es in Talilla für Marucea nur sehr wenige Tempel, denn sie wird meist in Hainen verehrt, den Schutzbaumgärten.
Schutzbaumgärten
Als Schutzbaum kommt jeder Baum in Frage, doch vorzugsweise handelt es sich um alte, imposante Bäume, im Idealfall um Obstbäume.
Beinahe jede Ansiedlung, gleich welcher Größe, hat einen Schutzbaum. Handelt es sich um ein Dorf oder einen Weiler, so steht der Schutzbaum meist an einem zentralen oder besonders schönen Platz, handelt es sich um eine Stadt, so wird um den Schutzbaum ein sorgfältig gehegter Garten errichtet. Dieser Garten ist durch Mauern oder Zäune abgetrennt, doch für jedermann jederzeit frei zugänglich.
Außerhalb von Ansiedlungen gibt es Haine, um den Baum zu verehren, meist in der Nähe eines Tempels oder Schreins. Da die Tradition des heiligen Hains weit zurückreicht, muß nicht zwangweise zuerst der Tempel oder Schrein dort gestanden haben. Oft tritt sogar der umgekehrte Fall ein, daß ein Tempel oder ein Schrein neben einem Schutzbaumgarten errichtet wird.
Dorfaltäre stehen fast immer in der Nähe des Schutzbaums, und auch in großen Städten versuchen alle Tempel, an den Schutzbaumgarten anzugrenzen. Da der Platz dort begrenzt ist und Grund und Boden vor allem teuer, gelingt das nur den wichtigsten Tempeln, also meist Falkentempeln.
Verehrung
Es gibt viele Feste und Zeremonielle, die mit dem Schutzbaum zu tun haben, doch am wichtigsten ist es, sich stets des Wohlwollens des Schutzbaums zu versichern. Dazu wird der Baum oder auch der ganze Schutzbaumgarten nicht nur liebevoll gepflegt und geschmückt, sondern es wird auch dafür gesorgt, daß der Baum sich nicht "langweilt" und sich mit seinem Standort und seinen Menschen verbunden fühlt.
Schutzbäume werden mit allen Neuigkeiten versorgt und mit Darbietungen aller Art unterhalten. Gerade in Städten sind Schutzbaumgärten beliebte Orte für musikalische Veranstaltungen oder Lesungen. In Dörfern finden Versammulungen und Feste stets beim Schutzbaum statt, damit er daran teilhaben kann.
Je älter und größer ein Schutzbaum ist, und je mehr Menschen sich um ihn kümmern, ihn erfreuen und unterhalten, sich ihm verbinden, umso größer ist seine Macht. Umgekehrt wird ein solcher Baum sich auch mit seinen Menschen verbinden, und umso mehr wird er einsetzen, um Schutz zu bieten.
Verbindungen zwischen Falke und Baum
Wann immer das möglich ist, liegen Falkentempel und Schutzbaumgarten direkt nebeneinander. Der Schutzbaum wird täglich mit Wasser aus der Quelle des Falkentempels gegossen.
Ursprung
Die Verehrung von Baum und Falke entwickelte sich aus der Verschmelzung des sabessischen Glaubens mit dem der Hiarener?. Dort wurde eine Götterdualität verehrt, ein Gott und eine Göttin, deren Attribute auf Tandemeo und Marucea übertragen wurden.
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