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Überblick über die geschichtliche Entwicklung Aurhims

Teil 5: die erste Zwischenzeit

Jahreszahlen

51 aun

Ausbruch des Vulkans

125 auc

Sturz der Siëctrer

143 auc

Verlust der ersten Stadt der Siarîn

233 auc

Fall von Alt-Tiluvo

Tod Siquais

250 auc

Gründung von (Neu-)Tiluvo

Der Auslöser

Im Jahr 51 vor Beginn der sabessischen Zeitrechnung? kam es am Ostrand der Ahnberge? zu einem gigantischen Vulkanausbruch. Weite Gebiete wurden - je nach Entfernung - von Lava, Geröll und Asche bedeckt, Unmengen an schwefelhaltigen Gasen gelangten in die Atmosphäre. In der Folge kam es zu einem vulkanischen Winter: die Durchschnittstemperatur der Folgejahre sank um ein paar Grad.
Zu diesem Zeitpunkt herrschte auf Aurhim ohnehin eine Phase der allmählichen globalen Abkühlung. Die Gletscher - sowieso im Wachsen begriffen - wuchsen stark an, auch in bisher eisfreien Gegenden der Arktis und Subarktis blieb der Schnee liegen. Dadurch wurde mehr Sonnenlicht reflektiert und das Klima verschlechterte sich weiter, bis es sich zuletzt auf einem Niveau einpendelte, das etwas unter dem des heutigen Aurhims lag.
In der Folge verschoben sich die Klimazonen nach Süden, es wurde insgesamt kälter und feuchter. Während das im Süden zu einem Schrumpfen der Wüsten führte, dehnten sich die arktischen Gebiete aus. Die Inseln im nördlichen Meer, vorher eher subarktisch, wurden Teil der Hohen Arktis. Die Nordküsten Apaconors dagegen, die vorher ein recht gemäßigtes Klima hatten, wurden subarktisch. Tier- und Pflanzenarten, die dazu in der Lage waren (darunter die Meerdrachen, machten diese Wanderung mit. Viele aber, insbesondere viele Pflanzenarten, starben aus.

Auswirkungen auf die Proto-Mai-San

Am direktesten betroffen von diesen Veränderungen waren die Proto-Mai-San?. Viele unter ihnen waren schon durch den Vulkanausbruch zur Flucht gezwungen worden, der einige der fruchtbarsten Landstriche unter seiner Asche begraben hatte. Durch den vulkanischen Winter kam es in den Jahren darauf zu wiederholten Missernten. Hunger, Unruhen und (Bürger)Krieg waren die Folge, die Ordnung der alten Stadtstaaten zerbrach. In dieser Situation gelang es einigen Kriegsherren, sich eine große Anhängerschaft zu sichern, indem sie ihnen versprachen, irgendwo anders ein besseres Land zu finden. In mehreren Wellen zogen mächtige Heere, die in ihrem Tross Frauen, Kinder und ihre gesamte Habe mitführten, Richtung Süden. Einen anderen Weg gab es nicht, denn nach Westen hin drohten die schon damals vergletscherten Ahnberge?, nach Osten hin aber schloß sich das Gebiet der Siarin? an, denen die Proto-Mai-San militärisch nicht gewachsen waren.

Die Völkerwanderung

Auf ihrem Weg nach Süden stießen die Proto-Mai-San auf die Proto-Kravenikken?, die ihnen militärisch und vor allem organisatorisch nichts entgegensetzen konnten. Die Unterlegenen mußten weichen und machten sich nun ihrerseits auf die Suche nach neuem Land. Bald war der Großteil der Menschenvölker Apaconors auf der Wanderung, bereit, sich eine neue Heimat mit Waffengewalt zu nehmen, oder die gerade gefundene ebenso erbittert zu verteidigen. Besondere Begierde erweckten dabei natürlich die beiden wohlhabenden nicht-menschlichen Reiche: das der Siectrer? und das der Siarîn. Während die Siarîn sich durch ihre technologische Überlegenheit und ihre kriegerische Ader zuerst noch behaupten konnten, wurden die friedliebenden Siëctrer schnell überrollt. Zuerst wurden sie immer weiter Richtung Küste zurückgedrängt, im Jahr 125 nach Beginn der sabessischen Zeitrechnung brach ihr Reich vollkommen zusammen. Reste ihres Volkes hielten sich nur auf den Isilbragi, wo sie allerdings noch in geschichtlicher Zeit lebten. Die auf dem Festland Vebliebenen dagegen vermischten sich mit den menschlichen Eroberern. Aus ihnen entstand das Volk der Hiarener?, die Urbevölkerung Talillas?. Einzig die Bewohner Aronans und Sabemas waren durch ihre Insellage vor den Wirren der Völkerwanderung relativ geschützt.

Der Untergang der Siarîn

Die Siarîn blieben zuerst größtenteilsunbehelligt. Die Auswirkungen der Klimaverschlechterung waren bei ihnen geringer als bei anderen Völkern. Das hatte mehrere Gründe: der Wasserkornanbau wurde durch die Kälte wenig beeinträchtigt, die Erträge des Fischfangs stiegen sogar, und selbst da, wo sie tatsächlich negative Auswirkungen spürten, half ihnen ihre fortgeschrittene Technologie, diese abzumildern. Gewisse Beeinträchtigungen blieben aber nicht aus. Mehrere Häfen mußten verlegt oder sogar ganz aufgegeben werden, weil der Meeresspiegel sank. Immer wieder fielen Schiffe den nach Süden gewanderten Meerdrachen zum Opfer, die schließlich sogar das Festland heimzusuchen begannen.
Im Vergleich zum Chaos bei den anderen Völkern aber blieb das Reich der Siarîn ein Hort der Sicherheit. Das weckte naturgemäß Begehrlichkeiten. Die Siarîn, die die ganzen Flüchtlinge nicht aufnehmen konnten und das auch gar nicht vorhatten, wurden immer wieder zum Ziel der Eroberungspläne ambitionierter Kriegsherren.

Wohl die prägendste Persönlichkeit dieser Epoche war Prinz Siquai?. Er war der ältere Bruder des regierenden Königs Senodan Seviluêl und damit gemäß der Tradition der Siarîn nicht zur Thronfolge bestimmt. Schon von früher Jugend an hatte er sich als Kämpfer und Seefahrer hervorgetan und galt zu Beginn der ersten Zwischenzeit bereits als großer Held. Als der Druck auf sein Volk wuchs, suchte er nach einer neuen Heimat für die Siarîn. Er kartographierte die Küsten Diconors, von denen die Siarîn zuvor nur vage Kenntnisse hatten und gründete im Jahr 43 auc im Norden Diconors die Stadt Neshive?. Allerdings teilten die wenigsten der Siarîn seine Überzeugung, daß es besser sei, ihr Glück in der Ferne zu versuchen und so zog die neue Stadt zuerst nur wenige Siedler an.

Genau hundert Jahre später aber, 143 auc, erreichte der Krieg die Siarîn, als mit Dalon die erste Stadt des Siarîn-Reiches in die Hände der Menschen fiel. In der Not rief Senodan Siquai aus Neshive zurück und ernannte ihn zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Siquai war zuerst wenig Erfolg beschieden. Weitere Städte wurden von Menschenheeren erobert oder mußten aufgegeben werden, weil sie abgeschnitten zu werden drohten. Erst als Siquai (der eine für seine Zeit ungewöhnlich große Achtung vor den Menschen hatte) auf die Idee kam, das Heer der Siarîn durch menschliche Hilfstruppen zu verstärken, gelang es ihm, die Wende zu erzwingen. Allerdings war auch diese Wende nicht von Dauer. Der Krieg zog sich über fast ein Jahrhundert hin. Für die Menschen war das ein Zeitraum von vier bis fünf Generationen. Ihnen gelang es alle paar Jahre, ein neues Heer auf die Beine zu stellen. Die Meerkinder dagegen, die sich viel langsamer fortpflanzen, konnten die erlittenen Verluste nicht wettmachen.

Die Siarîn wurden immer weiter zurückgedrängt. Zuletzt hielten sie nur noch einige Siedlungen auf der Waldinsel? (die damals noch frei von Menschen war), sowie das Gebiet um die Hauptstadt (Alt-)Tiluvo. Allerdings war der Kontakt zwischen den beiden Gebieten nahezu zum Erliegen gekommen, da Meerdrachen in großer Zahl die Schiffahrt im Eismeer? zu einem großen Risiko werden ließen. Alles konzentrierte sich auf Tiluvo. Während dieser Zeit fiel König Senodan in der Schlacht und Siquai trat - wenn auch umstritten - die Thronfolge an. Doch das änderte nichts an der allgemeinen Lage. Letztendlich mußte Siquai erkennen, daß das Reich der Siarîn auf Apaconor nicht mehr zu retten war, und er begann, Pläne für eine Evakuierung zu schmieden.

Die Nachfahren der Siarîn

Die Anzahl der Schiffe aber war begrenzt. Selbst, wenn sie alles außer dem Allernötigsten zurückgelassen hätten, wäre nicht Platz für alle Menschen gewesen. Siquai aber konnte es nicht über sich bringen, die Relikte der jahrtausendealten Geschichte der Siarîn zu opfern. Er entschied sich, alle Menschen zurückzulassen und dafür an Kulturgütern zu retten, was zu retten war. Eine kleine Flotte versuchte, Diconor über die Westroute zu erreichen. Es gelang ihnen noch, die Überlebenden der Waldinsel aufzulesen, doch danach verlor sich ihre Spur und sie galten lange Zeit als verschollen. Tatsächlich erlitten sie in der Nähe des Eiskaps? Schiffbruch. Aus den Überlebenden entstand das Volk der Neshtiseque. Auf der Flucht vor Meerdrachen drangen sie ins Landesinnere ein und verdrängten dort die ansässigen Windkinder?, die nach Süden sowie auf die arktischen Inseln ausweichen mußten.

Der Rest verfolgte die Ostroute, aber als Siquai das Festland hinter sich versinken sah, wollte er sich sein Scheitern nicht eingestehen. Er befahl, den Kurs zu ändern und steuerte Aronan an. Hier erhoffte er sich, einen neuen Stützpunkt erobern zu können, um bessere Zeiten abzuwarten. Aber die Menschen Aronans wehrten sich und bei der Schlacht kam Siquai ums Leben.

Seine Nichte Neâr, die Tochter Senodans, bestieg den Thron als erste Frau in der Geschichte der Siarîn. Sie führte die Überreste ihres Volkes nach Diconor, wo sie ein neues Reich gründeten. Im Bewußtsein dessen, was sie verloren hatten, und um den völligen Neubeginn zu betonen, nannte sich dieses Volk von nun an Aleandon?, was übersetzt soviel wie "das Volk [jenseits] des Meeres"" bedeutet. In Diconor fanden die Aleandon keine gefährliche Konkurrenz vor, es gab dort nur eine kleine Windkinderpopulation. So konnten sie ihre Kultur zu einer neuen Blüte führen, die sich nun bewußt von allem kriegerischen Gebahren abwandte. Fast 2000 Jahre lebten sie in vollkommenem Frieden, bis Menschenvölker den Weg nach Diconor fanden (siehe Geschichtsüberblick 11?).

Die Menschen, die Siquai zurückgelassen hatte, erlitten so schwere Verluste, daß sie aufhörten, als Volk zu existieren. In kleinen Gruppen irrten sie umher, bis sie entweder untergingen, oder doch ein Volk fanden, das bereit war, sie aufzunehmen. Sie, die Überreste der verhassten Siarîn, waren nirgends willkommen. In der Folge hatten sie selbst da, wo sie Aufnahme fanden, mit Diskriminierung und Zurücksetzung zu kämpfen. Einer dieser Flüchtlinge, Tisha, der zum Zeitpunkt des Falls von Tiluvo noch ein Kind gewesen war, scharte schließlich eine Gruppe von jungen Männern und Frauen um sich, um ein Land zu suchen, in dem sie frei sein konnten. Aber alle fruchtbaren Gebiete waren bereits besetzt und erst in der arktischen Steppe, da, wo vor dem Vulkanausbruch die Proto-Mai San gelebt hatten, fanden sie Land, das ihnen niemand streitig machte.


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Letzte Änderung: March 15, 2009, at 02:45 PM