Elliaden
Die Elliaden sind eine der beiden Göttersippen des Sabessischen Pantheons. Historisch gesehen entstammen sie wohl der Gegend auf Sabema, die schon früh unter den Einfluß Sabessas? geriet. Noch heute werden sie dort besonders verehrt, auch wenn sich ihre Anbetung mittlerweile über ganz Sabema und auch nach Talilla? verbreitet hat. Es handelt sich hierbei größtenteils um Götter, die etwas mit geistigen oder körperlichen Fähigkeiten zu tun haben. Der Legende? nach liegen die Elliaden mit der zweiten Sippe, den Neoriern, im erbitterten Streit. Wenn dieser Streit einstmals völlig beendet wird, soll ein goldenes Zeitalter anbrechen.
Astuvar
Astuvar ist der Gott des Meeres. Wie der Ozean ist Astuvar von wechselhaftem Gemüt. Mal ganz still und ruhig und dann wieder braust der Sturm und die Wellen tosen. Sein Jähzorn ist gefürchtet, doch bringt er den Menschen auch Wohlstand.
In der Rivalität zwischen Astuvar und Sibeor, dem Gott des Wetters, liegt ein Großteil des Streits zwischen den Götterfamilien begründet. Wenn Sibeor ihn reizt, kann Astuvar nicht ruhig bleiben.
Astuvar ist mit Dioreta verheiratet, mit der er drei Kinder hat: Ancauvo, Teava und Acos. Doch wie es seiner ungestümen Natur entspricht, ist er nicht treu, und seine unzähligen Liebschaften haben seine Ehe schwer belastet. Doch das hindert ihn nicht daran, weiterhin fremd zu gehen und in unzähligen Liebschaften Nachkommen zu zeugen. Die meisten von diesen sind Halbgötter, die als große Seehelden in die Legenden eingingen, doch aus der Beziehung mit Saquira entstanden die Meerdrachen, der Schrecken eines jeden Seefahrers. Diese Beziehung war schließlich auch für Dioreta den letzte Stein des Anstoßes, um ihn endlich zu verlassen.
Astuvars Hofstaat besteht aus Meermännern und Nixen, Wesen mit dem Oberkörper eines Menschen und einem Fischschwanz. Wahrscheinlich spiegelt sich in diesen Sagengestalten eine ferne Erinnerung an die Eshoêlh?, ein Meerkindervolk, das früher die Meere um Apaconor beherrschte.
Astuvar bildet mit seiner Tochter Teava und deren Verlobten Tandemeo die Trias der Stadtgötter Sabessas. Sein erster Tempel befand sich in der Fischersiedlung an der Küste, die bald mit der - etwas weiter im Landesinneren an der Brücke über den Paidus gelegenen - Siedlung zur Stadt Sabessa verschmolz. Doch erst im Jahr 357 auc wurde der Astuvar-Tempel zu den anderen auf die Paidus-Insel verlegt.
Er ist der Hauptgott der nach ihm benannten Stadt Talilla Astuvare? (zur Unterscheidung vom Land Talilla Icane?).
Astuvar ist der Bruder von Tamuc.
Tamuc
Tamuc ist der Bruder Astuvars und wie dieser von ungestümem Wesen. Er ist der Gott des rauschaften Überschwangs - sowohl im positiven als auch negativen Sinne. Er ist für alles zuständig, bei dem Verstand keine oder nur eine sehr geringe Rolle spielt. Im Gegensatz zu Tandemeo repräsentiert er die dunkle, blutdürstige Seite des Krieges, voller Rachsucht und Zerstörungswut. Wer Tamuc zum Feind hat, hat ein ernsthaftes Problem. Aber zumindest ist er nicht nachtragend.\\ Auf der anderen Seite steht er aber auch für Festmähler und ausgelassene Fröhlichkeit. Er gilt als großer Zecher und wird deswegen (neben Tulohes) auch als Gott des Weines angebetet. Kein Gefühl ist ihm fremd, außer dem für das rechte Maß. Sei es der trunkene Rausch nach zu viel Wein, der Blutrausch in der Schlacht, oder der Irrsinn einer unglücklichen Liebe - Tamuc ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, jeglichen Verstand über Bord zu werfen.
Teava
Teava ist die Göttin der Hirten, doch auch der Gerechtigkeit und der erklärte Liebling der Bevölkerung von Sabessa?. Im Kulturkreis von Sabessa wenden sich auch die Jungfrauen an sie als Beschützerin, während in der Umgebung von Cerion Iumema diese Rolle übernimmt. Sie ist selbst noch Jungfrau und gedenkt, das bis zu ihrer Hochzeitsnacht, die das goldene Zeitalter einläutet, zu bleiben. Tandemeo, ihr Verlobter, betrügt sie dagegen oft mit menschlichen Frauen, doch meistens drückt sie ein Auge zu. Nach ihrer Hochzeit soll sich das ändern, das hat sie sich fest vorgenommen - und was sich Teava vornimmt, das geschieht. Der Prophezeiung ihrer Großmutter Raca zufolge, soll das Paar später einmal sieben Söhne und sieben Töchter haben, die in ihrem Streit die alten Götter entmachten und die Welt ins Chaos stürzen werden.
Wie die meisten unverheirateten Götter hat Teava keinen Hofstaat, sondern wird von zwei riesigen Hunden begleitet (die in etwa so aussehen).
Teava ist auch die Göttin des Flusses Paidus, der durch Sabessa fließt, und ihr Tempel war nachweislich der erste auf der Insel im Fluß, auf der sich heute das Stadtzentrum befindet. Dieser Tempel befindet sich an der Südspitze - also der vom Meer abgewandet Spitze. Eine etwa zwei Stockwerke hohe Mauer umschließt einen großen, rechteckigen Garten. Dieser Garten bietet mit einigen schönen Bäumen und Sträuchern einen recht hübschen Anblick, doch vor allem dient er als Weide für die heiligen Schafe der Teava, die hier frei herumlaufen.
An der Innenseite der Mauer umschließt ein überdachter Gang drei Seiten des Gartens, der Rest der Anlage ist den Elementen frei zugänglich. An der vierten Seite, die dem Fluß zugewandt ist, wird Wasser aus dem Paidus unter der Mauer hindurch geleitet und fließt in einem gemauerten Kanal der Länge nach durch den Garten. An der Stelle, wo das Wasser eintritt, steht die Statue Teavas auf einem Sockel mitten im Wasser. Die Gläubigen nähern sich ihr über einen Pfad aus Trittsteinen, die sich gerade so über die Wasseroberfläche erheben.
Sie ist die Tochter von Dioreta und Astuvar und die Schwester von Ancauvo und Acos.
Acos
Acos ist der Gott der Musik und des Tanzes. Er ist das jüngste Kind von Dioreta und Asutvar. Seine Eltern haben sich kurz nach seiner Geburt getrennt, was sein sonniges Gemüt aber nicht beinflußt hat. Dargestellt wird er als schöner, halbwüchsiger Knabe, dem keiner böse sein kann. Seine Lieder sollen selbst schon Nuiras kaltes Herz erwärmt haben. Er hat noch keinen Hofstaat, aber wenn er mal einen Boten braucht, ist jeder Singvogel gerne bereit, ihm diesen Dienst zu erweisen.
Er hat zwei ältere Geschwister, Ancauvo und Teava.
Ancauvo
Ancauvo ist der älteste Sohn von Dioreta und Astuvar. Er ist der Gott der Schmiede und des Feuers. Er wird von allen verehrt, die harte, körperliche Arbeit leisten müssen. Dazu passend ist er selbst eher ruhig und verläßt sich mehr auf die Kraft seiner Arme als auf die der Worte. Dennoch ist er nicht dumm.
Seine Geschwister sind Acos und Teava. Verheiratet ist er mit Ienna, mit der er einen Sohn, Imear, hat.
Ienna
Ienna ist die Göttin der Handwerker und Diebe. Sie ist für alles zuständig, wofür man geschickte Hände und einen wachen Verstand benötigt. Dabei macht sie zwischen ehrlichem Handwerk und geschicktem Diebstahl keinen Unterschied.
Ienna hat Ancauvo geheiratet. Das Paar hat einen Sohn, Imear. Die Familie hat einen gemeinsamen Hofstaat. Dieser besteht aus Wesen, die Miuguren genannt werden. Sie sind klein, von bräunlicher Haut- und Haarfarbe und gelten als handwerklich sehr geschickt. Wie ihre Herrin nehmen sie es mit fremdem Eigentum nicht so genau. Diese Wesen gehen auf ein Regenkindervolk zurück, das sich wohl bis in geschichtliche Zeit in einigen abgelegenen Bergtälern Sabemas halten konnte. Heutzutage sind sie allerdings ausgestorben.
Imear
Imear ist der Gott der Inspiration und der Sohn von Ienna und Ancauvo.
Er wird als Kleinkind dargestellt, das ständig neue Einfälle hat. Dabei macht er wie alle Kleinkinder nicht immer von der Vernunft gebrauch. Einen Hofstaat hat er natürlich nicht, aber Schmetterlinge gelten als seine Boten. In der täglichen Religion spielt er nur eine geringe Rolle. Künstler lieben ihn allerdings und in jedem Theater steht ein Altar, der ihm und Acos geweiht ist.
Dioreta
Dioreta ist die Göttin der Mütter und Ehefrauen, doch ist sie auch die Herrscherin über das Totenreich, weswegen sie auch die "Herrin hinter dem Regenbogen" genannt wird. Denn die Sabener glauben, daß das Totenreich mit der Welt der Lebenden überlagert ist, und daß man auf die andere Seite gelangen kann, wenn man unter dem Regenbogen durchgeht. An manchen Tagen, wenn ein doppelter Regenbogen am Himmel steht, kann man sehen, daß der Himmel zwischen den beiden Bögen dunkler ist - für die Sabener ist das ein Blick ins Totenreich.
Dioreta hat den größten Hofstaat unter allen Göttern, denn alle Verstorbenen sind ihr untertan. Aber nur besonders tugendhafte Seelen dürfen in ihre direkte Nähe und ihr dienen. Als Herrscherin über die Toten kann Dioreta Menschen aus ihrem Reich entlassen, aber nur Nuira, die Göttin des Todes und des Schicksals, kann den Menschen wieder Leben geben. Andererseits kann Dioreta aber auch einem toten Menschen den Einzug in ihr Reich verwehren. Wenn es Streit gibt zwischen Dioreta und Nuira, müssen die Verstorbenen als Geister umgehen, die nicht zu den Lebenden gehören und nicht zu den Toten.
Den Mythen zufolge war Dioreta zuerst ihrem Mann Astuvar eine treue Gattin und ihren Kindern Ancauvo, Teava und Acos eine liebende Mutter. Doch die Untreue ihres Mannes stimmte sie zornig, und als er sie schließlich mit Saquira, ihrer eigenen Zwillingsschwester, betrog, verließ sie ihn und übernahm die Herrschaft des Totenreiches. Doch noch immer hat sie ein offenes Ohr und ein mitfühlendes Herz für alle Frauen - besonders für diejenigen, die von ihren Männern schlecht behandelt werden. Im Gegensatz zu Marucea, die eher für die Frau aus dem einfachen Volk steht, gilt Dioreta als Inbegriff der Adeligen.
Seit Teava sich mit Tandemeo verlobt hat, webt Dioreta in ihren Hallen an einem Brautschleier für ihre Tochter. Die Seelen von unverheiratet gestorbenen Jungfrauen spinnen unter ihrer Aufsicht hauchfeine Fäden aus Spinnweben, die sie dann zu einem wahrhaft wundervollen Schleier verwebt. Dabei arbeitet sie alle Ereignisse des Weltenlaufs in das feine Gewebe ein. Erst wenn sie den Schleier beendet hat, kann die Hochzeit stattfinden, die eine letzte, goldene Zeit unserer Welt einläuten wird, bevor dann der Streit unter den Kindern Teavas die Welt in ein neues Chaos stürzen wird und die alten Götter ihre Macht verlieren.
Dioreta ist die Tochter von Luno und Raca.
Luno
Luno ist der Gott des Wissens und der Wissenschaft. Er gab den Menschen die Schrift und erklärte ihnen den Lauf der Gestirne.
In der Universität von Sabessa findet sich ein Schrein Lunos, wo er zusammen mit seiner Frau Raca verehrt wird, ansonsten spielt er im religiösen Leben der Menschen kaum eine Rolle.
Seine Töchter sind die Zwillinge Dioreta und Saquira.
Raca
Raca ist die Göttin der Weisheit und der Prophezeihung. Es gibt nur wenige Tempel, die ihr gewidmet sind, doch diese sind als Stätten des Orakels weit bekannt und ziehen viele Pilger und Ratsuchende an.
Raca erkennt, wie das Schicksal der Welt aussieht, und von ihr ist auch die Prophezeihung über Tandemeo und Teava. Zwar wird sie - ähnlich wie ihr Mann Luno - selten regelmäßig verehrt, doch gibt es einige Raca-Tempel, in denen Menschen nach Visionen suchen, wenn sie in schwierigen Situationen nicht weiter wissen. Die Priester dort geben ihnen dann einen speziellen Trank, worauf die Ratsuchenden einschlafen und von wirren Träumen geplagt werden. In langen Gesprächen suchen die Priester dann nach einer Lösung in den Traumbildern.
Ihre Töchter sind die Zwillinge Dioreta und Saquira.
Saquira
Saquira nennt man auch die "Herrin hinter dem Spiegel". Während ihre Zwillingsschwester Dioreta über das Totenreich gebietet und sich die anderen Götter die Herrschaft über die Welt der lebenden Menschen teilen, regiert sie das Reich der Magie, in dem alles verdreht erscheint und in dem es viele seltsame Kreaturen gibt. Auch ihr Reich überlagert die Welt der Lebenden. Um es zu erreichen, muß man allerdings einen Spiegel durchschreiten. Zentauren und Kobolde gehören zu ihren Untertanen und ihre Leibwache wird von seltsamen Mischwesen gebildet, die den Körperbau eines Menschen, aber den harten Panzer und die Flügel eines Käfers haben. Iox?, der Weggefährte von Asticca, ist der Hauptmann dieser Garde und auch Ciëlcalea? gehört zu ihrem Hofstaat.
Nach sabessischem Volksglauben können magische Wesen sich in einem Spiegelbild nicht sehen, denn für sie ist jeder Spiegel ein Tor zu Saquiras Reich. Wenn sie sich selbst sehen wollen, müssen sie durch Zauberei einen anderen Gegenstand in einen magischen Spiegel verwandeln. Um einen Zauberer zu entlarven, muß man also darauf achten, ob er spiegelnde Gegenstände ignoriert.
Saquira gilt als eine Göttin ohne Gewissen, die stets nur den eigenen Vorteil sucht. Durch ihre Affäre mit Astuvar zerstörte sie die Ehe ihrer Schwester, und aus dieser Verbindung gingen die Meerdrachen? hervor, die so manchen braven Seemann verschlungen haben. Ein weiteres Beispiel für Saquiras Treulosigkeit ist die Liebschaft mit Terol, dem Mondgott, einem Neorier, trotzt der erbitterten Feindschaft, die zu diesem Zeitpunkt noch zwischen den Göttersippen herrscht. Aus dieser Verbindung ging ein Knabe hervor, Ridean, der Gott von Schlaf und Traum. Astax hat seinem Bruder Terol diese Affäre nie verziehen und seither herrscht Streit zwischen Sonne und Mond. Saquira hat nie geheiratet, da sie nicht gerne auf andere Rücksicht nimmt.
Gerade die Verbindung zum Neorier Terol deutet aber auf Saquiras Ursprünge hin. Ihr wichtigstes Heiligtum liegt in Aenugia?, und diese Stadt gehörte zum cerionischen Kulturkreis. Doch schon vor Cinats "Webstuhl" war sie mit einer Göttin aus dem sabessischen Kreis verschmolzen.
Der Saquira-Tempel in Aenugia liegt vor einer steilen Felswand und tief im inneren dieses Felsen befindet sich das Allerheiligste. Statt von einer Tür wird diese Kammer von einem spiegelglatten Vorhang aus Wasser abgeschlossen. So ist es dem Gläubigen - und nur die wenigsten werden soweit vorgelassen - möglich, das Land "hinter dem Spiegel" zu betreten, wo Saquira herrscht.
Ridean
Ridean ist der Sohn, der aus Saquiras Affäre mit Terol hervorgegangen ist. Er herrscht über den Schlaf und die Träume der Menschen. Manchmal bringt er ihnen Rat und Hilfe und manchmal hat er Freude daran, sie durch seine Gaukelein zu verwirren oder zu ängstigen. Wie seine Mutter ist Ridean schwer zu greifen und verzerrt gerne die Wirklichkeit. Mit seinem Vater, dem Gott des Mondes, teilt er die Vorliebe für Nacht und Dunkelheit.
Ridean gehört zu den Elliaden, obwohl sein Vater ein Neorier ist. Als er gezeugt wurde, waren die beiden Göttergeschlechter noch tief verfeindet, so daß die Affäre mit Saquira zu Terols Zerwürfnis mit seinem Bruder Astax führte.
Anders als sein Altersgenosse ist Ridean ein ruppiger Bursche, der gerne grobe Scherze macht. Er ist aber noch nicht so fixiert in dieser Haltung wie seine Mutter und kennt auch stille, sanfte Momente. Er hat keinen echten Hofstaat, sondern ist der Anführer einer Schar von Trugbildern, seltsamen Gestalten aus Albträumen etc. Ihre Gestalt ist nicht zu beschreiben, da sie sich ständig wandeln. Immer aber erscheinen sie seltsam und oft auch furchterregend.
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