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Tisha

Personalien

geboren

203 auc

gestorben

367 auc

Geschlecht

männlich

Rasse

Meerk.-Himmelsk. (Mischling)

Volk

Siarîn --> Ishia

Tisha war der Stammvater der Ishia und spielt bis heute eine dominierende Rolle in ihrer Mythologie.

Die reale Person

Tisha oder Tiasea, wie er damals genannt wurde, kam einige Jahre vor dem Ende des Siarînreiches? in dessen Hauptstadt Tiluvo zur Welt. Seine Mutter Anujan war ein Mensch und gehörte damit zur stark benachteiligten Unterschicht. Sein Vater, Siquai?, war dagegen ein Meerkind und als ältester Sohn des Königs von allerhöchstem Rang. Einige Jahre nach Tishas Geburt wurde er sogar (entgegen der üblichen Thronfolgeregelung) selbst König der Siarîn.
Eine Beziehung zwischen Angehörigen der beiden Klassen war damals gesellschaftlich undenkbar, aber Siquai hielt gegen allen Widerstand an seiner Liebe zu Anujan fest. Diese erwiderte die Liebe zumindest am Anfang, später mag auf ihrer Seite das Gefühl in den Vordergrund getreten sein, Siquai durch ihre Beziehung an die Menschen zu binden. Wie dem auch sei, die Liebe, die sein Vater für seine Mutter hegte, bezog Tisha nicht mit ein. Siquai ignorierte das Kind, wo immer es ging, und weigerte sich auch, ihm der Tradition gemäß einen Namen zu geben und ihn damit als seinen Sohn anzuerkennen. Anujan war ihrerseits zu stolz, sich dem zu beugen, und so nannte sie ihren Sohn stets "Tiasea", was übersetzt nur "Kind" bedeutet, bis das Wort zu seinem Namen wurde.

Tisha war von frühester Kindheit an ein Einzelgänger. Für die Gesellschaft der Meerkinder war ein Mischling inakzeptabel. Die Menschen, unter denen er mit seiner Mutter lebte, waren etwas aufgeschlossener, aber jede Freundschaft scheiterte daran, dass sich Tisha sehr viel langsamer entwickelte als reine Menschen. Zu einem Zeitpunkt, als seine Altersgenossen schon fast erwachsen waren, war er noch kaum mehr als ein Kleinkind. Die Betreuung eine solchermaßen "unnatürlichen" Kindes lastete schwer auf Anujan, allerdings liebte sie ihren Sohn unerschütterlich und wies ihn nur vor die Tür, wenn sein Vater zu Besuch in ihre Hütte kam.

Im Jahr 233 auc, als Tisha 30 Jahre alt war und etwa auf dem Stand eines zehnjährigen Kindes, wurde absehbar, daß Tiluvo nicht mehr zu halten war. Siquai begann die Evakuierung seines Volkes nach Neshive? zu planen, mußte aber schnell feststellen, daß die Zahl der zur Verfügung stehenden Schiffe begrenzt war. Wenn er die Kultur seines Volkes, die Kunstgegenstände und Büchersammlungen, retten wollte, mußte er einen Teil der Personen zurücklassen. Nahm er dagegen alle Personen mit, wäre die Überlieferung der Siarîn auf immer verloren. Siquai entschied sich, die Menschen zurückzulassen - auch seine Geliebte und den gemeinsamen Sohn.

Viele der Zurückgelassenen starben in den ersten Tagen nach der Evakuierung, als die fremden Armeen über das nun schutzlose Tiluvo hereinbrachen. Die wenigen Überlebenden - darunter Tisha und seine Mutetr - wurden zu Flüchtlingen, die schließlich fern der Heimat von fremden Stämmen aufgenommen wurden, dort aber auch Misshandlungen und Unterdrückung ausgesetzt wurden. In dieser Umgebung wuchs Tisha heran und als er endlich ein Mann geworden war, war er einer der letzten, der sich noch an das Leben unter den Siarîn erinnern konnte. Die Unterdrückung wurde ihm immer unerträglicher und schließlich scharte er einige junge Leute um sich, die wie er von den Siarîn abstammten, um irgendwo ein Stück Land zu suchen, wo sie in Freiheit leben konnten.

Die Suche nach diesem Land der Freiheit gestaltete sich schwierig. Überall schlug ihnen Verachtung und Misstrauen entgegen. Viele der Gefährten starben an Hunger, Entbehrung und in den unzähligen Kämpfen, die die Gruppe zu bestehen hatte. Schließlich gelangten sie in den Nordwesten Apaconors, in ein Land, das zwar früher von den Proto-Mai San? besiedelt gewesen war, jetzt aber so kalt und unwirtlich war, daß es ihnen niemand streitig machte. Endlich hatte Tisha seine Freiheit gefunden. Von nun an nannte sich die Gruppe "Ishia" - die Eisigen oder auch die Eislandleute.
Die ersten Jahre waren sehr schwierig. Ackerbau, wie sie ihn aus ihrer Heimat kannten, war hier unmöglich, und es dauerte, bis sie lernten, mit den neuen Bedingungen zurecht zu kommen. Damals wie heute war die Sterblichkeit unter den Jägern und Kämpfern höher als unter den Frauen, die in der Nähe des Lagers blieben. Dadurch mußten einerseits einige Frauen eine männliche Rolle übernehmen, andererseits hatten die wenigen verbliebenen Männer aber mehrere Frauen und Tisha die meisten.

Durch sein Meerkindererbe alterte Tisha sehr viel langsamer als die anderen. Für seine Gefährten, die sich nur noch dunkel, wenn überhaupt, an die Meerkinder erinnerten, war das ein Wunder. Dazu war er der beste Krieger des neuen Stammes und ein exzellenter Jäger. Vor allem aber hatte er - vielleicht am Beispiel seines Vaters - die nötige Härte gelernt, um auch unmenschlich erscheinende Entscheidungen zu fällen, wenn es keinen anderen Ausweg gab. So war er Zeit seines Lebens der unangefochtene Anführer der Ishia. Es ist allerdings unwahrscheinlich, daß wirklich alle Gesetze und Regeln von ihm stammen, wie die Ishia glauben. Die Grundzüge hat er aber sicher festgelegt.
Tisha war mehrfach verheiratet. Er überlebte die meisten seiner Frauen, Kinder und Enkel und auch einige seiner Ur- und Ururenkel. Entsprechend der späteren Tradition zeugte er dazu außerhalb der Ehe eine Vielzahl von Kindern. So kommt es, daß alle heutigen Ishia ihre Abstammung auf ihn zurückführen können. Das typische Aussehen - großgewachsen, schlank, mit hellblonden Haaren - soll sein Erbe sein. Die längere Lebensdauer hat sich aber über die Generationen nicht erhalten, allenfalls, daß die jungen Ishia ein wenig später heranreifen als andere Menschenvölker.

Tisha starb im Alter von 164 Jahren bei einem Jagdunfall - noch immer ein Mann in seinen besten Jahren.

Die mythologische Gestalt

Einige Fakten über Tishas Leben wurden über die Jahrhunderte treu überliefert. Andere dagegen wandelten sich, wurden vielleicht schon von ihm selbst bewusst verschleiert.

Der Überlieferung nach wurde Tishas Mutter eines Tages von einem Wassergeist1 überfallen und vergewaltigt. Von Scham überwältigt zog sie sich in die Wälder zurück, wo sie schließlich einen Sohn gebar. Zuerst liebte sie das Kind sehr. Bald aber zeigte sich das Erbe seines Vaters, ihres Peinigers. Das Kind war stärker und ungestümer als jedes Menschenkind und überraschte sie mit seiner Weisheit und Klugheit, kaum daß es sprechen konnte. Tisha wurde seiner Mutter immer unheimlicher und als er im Alter von 3 Jahren der Mutterbrust entwöhnt worden war, konnte sie seine Gegenwart nicht länger ertragen und beging Selbstmord.
Der kleine Junge war nun völlig auf sich gestellt. In den Wäldern, die seine Heimat waren, wurde er zu einem starken Krieger und listigen Jäger, der jedes Tier kannte und dem keine Beute zu schnell oder zu gefährlich war. Dabei kam ihm zugute, daß diese Wälder weit im Süden lagen, wo es niemals schneit, die Bäume immer Laub tragen und Früchte das ganze Jahr über reifen. Allerdings haben die Ishia bei dieser Vorstellung wohl weniger einen tropischen Dschungel vor Augen, sondern eher so etwas wie einen immerwährenden Sommerwald der gemäßigten Breiten.

Zum Mann herangewachsen, jagte er eines Tages in der Nähe des Waldrandes, als er Stimmen hörte. Verwundert stellte er fest, daß es noch mehr Menschen gab, außer ihm und seiner verstorbenen Mutter. Tagelang verfolgte er die Gruppe im Verborgenen und beobachtete, wie sie mit stählernen Äxten Bäume fällten. Besonders ein junger Mann, der etwa in seinem Alter war, hatte es ihm angetan. Von Begierde ergriffen schlich er sich eines Nachts zu ihm und teilte das Lager mit ihm. Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, stellte der Jüngling voll Verwunderung fest, daß er in den Armen eines wunderschönen Fremden lag. Auch Kijen, so hieß der Jüngling, entbrannte nun in Leidenschaft. Die beiden wurden Freunde und Tisha folgte seinem Liebhaber in dessen Dorf.

Dieses Volk aber lebte in Sklaverei. Zuerst gelang es Tisha, sich unterzuordnen, doch als er eines Tages beobachtete, wie einer seiner neuen Bekannten ungerechterweise geschlagen wurde, kochte der Zorn in ihm hoch und er erschlug den Peiniger. Tisha floh zurück in die Wälder, doch konnte er Kijen nicht vergessen. Heimlich trafen sie sich weiter und schließlich reifte in ihnen der Plan, Kijen und sein ganzes Volk aus der Sklaverei zu befreien. Die meisten aber hatten Angst und so fand sich schließlich nur eine Gruppe von jungen und wagemutigen Menschen, die gemeinsam flohen.
Zuerst suchten sie in Tishas Wäldern Zuflucht, aber bald wurden sie von ihren Verfolgern dort aufgespürt und so mußten sie weiter ziehen. Nirgends wollte man sie dulden, bis sie schließlich im Norden ein weites, menschenleeres, aber karges Land fanden. Hier ließen sie sich nieder und Tisha unterwies seine Gefährten in der Jagd und allem, was sie wissen mußten.

Tisha und Kijen blieben einander immer zugetan, doch als sie etwas älter wurden, nahmen sie sich zwei Schwestern zur Frau, um jeder eine Familie zu gründen. Als Kijen wenig später bei der Jagd starb, trauerte Tisha sehr um seinen Freund. Er nahm Kijens Frau zu seiner eigenen, damit sie und ihr ungeborenes Kind versorgt waren und als der Knabe zur Welt kam, nannten sie ihn nach seinem Vater Kijen. Tisha zeugte noch weitere Kinder mit seinen beiden Frauen, und als sie starben, nahm er sich eine neue. Niemals aber nahm er sich wieder einen Mann als Liebhaber.

Auch in der Überlieferung der Ishia hatte Tisha ein unnatürlich langes Leben und als er starb, war seine Seele so stark, daß sie nicht mit einer anderen verschmolz, sondern im Gegenteil viele schwächere an sich binden konnte. So wurde Tisha nach seinem Tod noch mächtiger als er zu Lebzeiten gewesen war. Er gilt als der mächtigste Geist, der aus einem lebenden Menschen entstanden ist und als unerschütterliche Helfer der Ishia. Viele beten zu ihm in der Not, doch ist wohlbekannt, daß Tisha die am meisten schätzt, die sich dem Kampf stellen und nicht klagend auf Hilfe hoffen. Wohl die meisten Ishia wünschen sich, nach ihrem Tod irgendwann mit der Seele dieses mächtigen Kriegers zu verschmelzen.

1 Anders als die meisten Menschenvölker Apaconors kennen die Ishia in ihren Legenden ein menschenähnliches Volk, das über das Meer verschwand. Tatsächlich stammt sogar der Begriff "Meerkind" aus ihrer Überlieferung. Wo es aber um konkrete Kontakte mit Meerkindern geht, wie z.B. bei Tishas Vater, ist meist von Geistern die Rede, d.h. von übernatürlichen Wesen mit erschreckender Macht, denen teilweise auch magische Fähigkeiten zugeschrieben werden. Auch die Neshtiseque, ein Nachbarvolk der Ishia und die letzten auf Apaconor verbliebenen Meerkinder, werden von ihnen als Eisgeister bezeichnet und in einer Art und Weise gefürchtet, wie es bei den eigentlich recht friedlichen Nestiseque nicht angemessen erscheint. Diese starke Furcht ist wohl wirklich auf die Lehren Tishas zurückzuführen, der versuchte, sein Volk von den Wesen fernzuhalten, die es einst unterdrückt und dann schmählich verraten hatten.


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Letzte Änderung: April 23, 2014, at 11:45 AM