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Das sabessische Pantheon

Die ursprüngliche sabessische Religion ist ein klassischer Polytheismus. Das Pantheon gliedert sich in zwei große Göttersippen, die Elliaden und die Neorier. Die Gruppierung ist wohl großteils in der Geschichte der Insel Sabema? begründet, aber es gibt auch thematische Unterschiede. Die Elliaden sind eher Götter, die mit menschlichen Fähigkeiten und Tätigkeiten in Verbindung stehen. Die Neorier sind eher Naturgötter. Aber das ist nur eine Tendenz und es gibt auf beiden Seiten Ausnahmen. Näheres zur Entstehung der Religion findet sich weiter unten.

In der Grafik sind die Götter nach Verwandtschaftsverhältnissen gruppiert, so wie sie in den gängigen Legenden beschrieben werden. Göttinnen sind rot, Götter grün geschrieben. In der Regel spielen die Götter der obersten und untersten Reihe (die Generation der Großeltern und Enkel) im täglichen Leben eine untergeordnete Reihe.

Die wichtigsten Götter Sabessas sind Astuvar, Teava und Tandemeo, die gemeinsam die Sabessische Göttertrias bilden. Wahrscheinlich kommt ihre Dominanz daher, daß die sie "Stadtgötter" des Dorfes Sabessa waren, das sich als Zentrum das Sabessischen Reiches zur Hauptstadt aufschwang und so seinen Göttern zur Bedeutung verhalf.

Die Götter verkehren hin und wieder mit Menschen, und gemeinsame Kinder können durchaus Besonderheiten oder besondere Fähigkeiten haben. Allerdings sind alle "Halbgötter" sterblich und keiner von ihnen wird von den Gläubigen verehrt.

Jeder Gott hat eine Art "Hofstaat" aus übernatürlichen Wesen und Halbgöttern. Die Größe dieses Hofstaats variiert sehr stark. Manche Götter haben nur ein paar Begleiter, andere herrschen über ein Reich, das zehntausende umfasst.

Dioretas Webstuhl

"Dioretas Webstuhl" - auf sabessisch "In labivar Dioretea" - ist der Name des Buches, in dem die Mythen über die sabessischen Götter wohl ihre schönste Form gefunden haben. Erzählt wird die Geschichte zweier Göttersippen, der Elliaden und der Neorier, die in erbittertem Zwist liegen. Und wo die Götter sich bekämpfen, da sind die Zeiten bitter für die Menschen. Doch dann, eines Tages, begegnen sich Teava, einer Elliadin, und Tandemeo, Sproß der Neorier, und verlieben sich ineinander. Gegen allen Widerstand in ihren Familien kämpfen sie um ihre Liebe und als es endlich zum Verlobungsfest kommt, schließen die beiden Sippen Frieden, und für die Menschen brechen goldene Tage an. Doch die Freude ist nicht ungetrübt, denn beim Fest spricht Raca, Göttin der Weisheit und Teavas Großmutter, eine Prophezeiung aus: Teava und Tandemeo werden heiraten und sieben Söhne und sieben Töchter bekommen. Diese Kinder aber werden einst die Götter stürzen und die Welt, wie wir sie kennen, wird untergehen, um einem neuen Zeitalter Platz zu machen. Doch noch ist der Tag der Hochzeit nicht gekommen, den Dioreta, die Mutter der Braut, die über das Totenreich herrscht, hat sich ausbedungen, den Brautschleier zu weben. Aus Spinnweben fertigt sie ein hauchdünnes Tuch, und mit großer Kunst wirkt sie darin die Ereignisse des Weltenlaufs ein, worauf sich auch der Titel des Buches bezieht.

Die Entstehung der sabessischen Mythologie

So klein die Insel Sabema im Vergleich zu den großen Kontinenten auch erscheinen mag, so war sie doch in früher Zeit in unzählige kleine Staaten aufgesplittert, von denen die meisten kaum mehr als einen Ort umfassten, den nur ein sehr wohlwollender Mensch als "Stadt" bezeichnen kann. Die Kulturen all dieser Staaten mögen einem Außenstehenden sehr ähnlich, kaum unterscheidbar, erscheinen und doch zeigten sie für die Menschen damals schwerwiegende Unterschiede und auch die Sprachen waren nicht gleich, wenn man sich auch verständigen konnte. Doch bei all den Unterschieden und Gemeinsamkeiten lassen sich diese Staaten doch recht einfach in zwei Gruppen einteilen. In der kleineren, die den Osten der Insel umfasste, nahm die Stadt Cerion die Vorherrschaft ein. Die größere wurde von Sabessa selbst dominiert und umfasst den Rest der Insel. Diese Unterschiede zeigten sich natürlich auch in der Religion der Menschen. Doch schon früh kam es zu einem Austausch, einem Angleichen der verschiedenen Götter. Während die Götter in der frühesten Zeit wohl so etwas wie Schutzgeister einer bestimmten Stadt waren - und kaum eine Stadt hatte mehr als einen dieser Beschützer - so erzählten nun Legenden von den Beziehungen der Götter untereinander und man begann, sich je nach Anliegen an unterschiedliche Götter zu wenden. Auch kam es vor, daß zwei ähnliche Götter verschmolzen, und Aspekte beider Seiten zeigten. Doch auch wenn es zu einer Annäherung kam, so waren doch die Mythen, und die Gewichtung der Götter darin von Stadt zu Stadt recht unterschiedlich.

Talo Ocreom Cinat - der Autor des "Webstuhls"

Cinat wurde etwa um das Jahr 250 auc in Sabessa geboren. In seiner Jugend diente er als Offizier in der Armee und nahm wohl an den Kriegszügen teil, in denen als letzte Stadt Cerion der sabessischen Herrschaft unterworfen werde. Doch mehr noch als sein Schwert sollte seine Feder zu Frieden und Einheit der Insel beitragen. Denn nachdem er die Armee verlassen hatte, machte er es sich zur Aufgabe, die Mythen der Insel zu einen und dadurch auch die Menschen. Als er vierzig Jahre später sein Werk der Öffentlichkeit vortrug, hatte er ein Meisterwerk geschaffen. Im ganzen Land hatte er die Mythen und Legenden gesammelt und sie als erster und bisher einziger zu einem Werk vereinigt, daß weder Brüche noch Ungereimtheiten aufwieß, ganz, als hätte er es von Anfang bis Ende selbst erfunden. Dabei mußte er natürlich einige Änderungen an den Geschichten vornehmen, doch war er hierbei so behutsam vorgegangen, daß sich auf der ganzen Insel kaum jemand fand, der nicht voll Freude die Mythen der eigenen Kindheit wiedererkannt hätte. Keiner bestimmten Stadt gab er dabei den Vorzug, von jeder behielt er etwas und bei jeder änderte er etwas. Den Gegensatz zwischen Sabessa und Cerion nahm er auf und teilte die Götter in die verfeindeten Sippen der Elliade und der Neorier ein, wobei die Elliaden aus dem sabessischen Bereich stammen, die Neorier dagegen aus der Umgebung Cerions. Doch hielt er sich nicht sklavisch an diese Einteilung. Tandemeo ist einer der Stadtgötter Sabessas und war ursprünglich ein Bruder Teavas. Cinat ordnete ihn statt dessen den Neoriern zu. Die Idee von der Hochzeit der Götter, die Frieden zwischen den verfeindeten Sippen schafft, stammt dagegen aus Talessa, ganz im Süden Sabemas. Doch der "Webstuhl" ist nicht nur durch sein geschicktes Verbinden der verschiedenen Legenden berühmt geworden, sondern auch durch die Sprache, die einfach und doch treffend, sich Bauer wie Staatsmann fast von selbst einprägt. Er erreichte eine solche Eleganz in der Sprache, wie sie erst viele Jahrzehnte später wieder erreicht werden sollte.

Die Zeit seit Cinat

Cinat hat sein Ziel tatsächlich erreicht. Schon wenige Jahre nach dem Erscheinen des "Webstuhls" lernten Schüler auf der ganzen Insel seine Verse auswendig. Doch auch wenn das Buch eine Verbreitung erreichte, wie sonst kein zweites, war es stehts nur ein Objekt der Literatur, kein heiliges Buch. Es war immer klar, daß Cinat für die Geschlossenheit der Geschichte Änderungen vorgenommen hatte. So beziehen sich die Riten und Gesänge in den Tempeln meist noch immer auf die alten, die örtlichen Legenden, und doch gibt es kaum einen Sabener, der nicht zuallererst an Cinats Version der Geschichte dächte.


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Letzte Änderung: April 10, 2014, at 10:50 AM