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Die Ehrbaren Berufe nach Sabessischer Gepflogenheit

Die Ehrbaren Berufe sind in den Ländern Sabessa?, Talilla?, Belida? und Perhenien? ähnlich organisiert. Da diese Traditionen aus Sabessa stammen, spricht man hierbei von der "sabessischen Gepflogenheit". Welche Berufe als ehrbar betrachtet werden, unterscheidet sich von Land zu Land. Auf jeden Fall gehören die verschiedenen Handwerke und der Handel dazu, und niemals die einfachen Bauern. Aber schon bei Winzern scheiden sich die Geister und in Talilla gilt sogar Prostitution als ehrbarer Beruf.

Zünfte

Die Ausübenden eines Berufs sind in Zünften oder Bruderschaften organisiert, die jeweils für eine bestimmte Region zuständig sind. In Belida sind dies vor allem die Grafschaften sowie die königsfreien? Städte. In Talilla gibt es für jede Provinz eine Zunft, während die Zunftgrenzen in Perhenien und Sabessa nicht mit klar definierten politischen Grenzen zusammenfallen. Städte, die im Fernhandel aktiv sind, haben normalerweise mehr Handwerker und damit größere und mächtigere Zünfte.

Aufgaben

Die Mitgliedschaft in den Zünften ist in aller Regel freiwillig. Nur in manchen Städten darf sich ein Handwerker nur innerhalb der Mauern niederlassen, wenn er der Zunft angehört. Allerdings gibt es gewichtige Gründe, die für solch eine Mitgliedschaft sprechen, und nur wenige schaffen es, sich diesen Gründen völlig zu entziehen. Die Zünfte haben verschiedene Aufgaben:

  • Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder gegenüber der Obrigkeit
  • Überwachung des Handwerks, insbesondere im Bezug auf Maße und Gesetze
  • Fürsorge für Mitglieder und deren Angehörige bei Armut, Krankheit und Tod
  • Überwachung der Ausbildung und Abnahme von Prüfungen
  • Gewährleistung gewisser Qualitätsstandards

Um diese Aufgaben wahrnehmen zu können, wird von jedem Mitglied entsprechend seines Rangs ein regelmäßiger Beitrag erhoben.

Organisation

Die Einordnung einer Zunft und die Rechte, die sich daraus für sie ergeben, unterscheiden sich von Land zu Land.

  • In Talilla sind die Zünfte den Provinzstatthaltern bzw. in der Königsprovinz dem König selbst untergeordnet.
  • In Belida unterstehen die Zünfte den Grafen bzw. in königsfreien Städten dem König selbst. Der König tritt seine Rechte meistens an den Stadtrat ab. Weilt er doch einmal in der Stadt, stehen die Chancen aber gut, daß er sich auch in die Belange einer oder mehrerer Zünfte einmischt.
  • In Sabessa können die Zünfte auf Grundlage der Gesetze meist recht frei entscheiden, sind aber oft der Aufsicht durch die Stadträte unterworfen.
  • In Perhenien zuletzt läßt sich schwer eine allgemeine Aussage treffen. Hier wird meist so entschieden, wie es den einflußreichen Bürgern in der momentanen Situation am sinnvollsten erscheint. Feste Regelungen gibt es selten.

Die Zünfte führen einen regen Schriftverkehr - selbst in Belida, wo nur wenige Menschen lesen und schreiben können. Meist gibt es genaue Regeln über Rechte und Pflichten, auf jeden Fall aber eine Liste der Mitglieder, sowie eine Liste aller Schwesterzünfte und aller Meister im Land. Will man einem Handwerker in einer anderen Gegend eine Nachricht zukommen lassen, so ist es meistens am einfachsten, die entsprechende Zunft in der eigenen Heimat um die Weiterleitung zu bitten.

Rangsystem

Jeder der ehrbaren Berufe wird in vier Ränge unterteilt. Jeder dieser Ränge gilt als fertig ausgebildetes Mitglied der Zunft, jedoch unterscheiden sich die Rechte innerhalb der Zunft, und vor allem das Können (und die Preise), das ein Kunde erwarten kann. Ob jemand selbstständig ist, oder für einen anderen arbeitet, spielt für den Rang und die Rechte innerhalb der Zunft keine Rolle.

Für jeden Rang gibt es eine eigene Bezeichnung, die sich oft nach gewissen Regeln ableiten läßt, z.T. aber auch ein völlig eigenständiger Begriff sein kann. Als Beispiel seien hier zwei Berufszweige mit den jeweiligen Begriffen angegeben. Weitere finden sich in der Liste von Berufsbezeichnungen.

 HändlerBogner
Erster RangTandlerBognerknappe
Zweiter Rang KrämerBogner
Dritter RangKaufmannFreibogner
Vierter RangHandelsmeisterBognermeister

Erster Rang

Kennzeichen: Sie bieten Dienste für Leute, die sich nicht viel leisten wollen oder können. Meist haben sie keine eigene Werkstatt oder Laden, sondern allenfalls eine kleine Bude in einer Seitengasse. Man findet sie nicht nur in Städten, sondern auch in vielen größeren Dörfern. Oft stellen sie selbst nichts her, sonder leben von Flickwerk und Reparaturen.
Zunftrechte: Sie bilden die unterste und zahlenmäßig größte Stufe der Zünfte. Zwar haben sie in den Versammlungen das Recht, gehört zu werden, doch dürfen sie nicht abstimmen und müssen mancherorts sogar vor der Abstimmung den Raum verlassen. Viele Handwerker des ersten Ranges gehören allerdings gar keiner Zunft an, insbesondere, wenn sie auf dem Land leben oder als Fahrensleute herumziehen.
Bezeichnung: Grob-, Klein-, Flick-, -geselle (besonders bei Berufen, in denen Selbstständigkeit größere finanzielle Mittel erfordert), -knappe, -ling

Zweiter Rang

Kennzeichen: Der zweite Rang ist das, was man gemeinhin unter einem Handwerker versteht. Sie liefern gute Qualität, aber nichts herausragendes, dafür halten sich auch ihre Preise im Rahmen. Ihre kleinen Werkstätten finden sich fast nur in Städten und Marktflecken.
Zunftrechte:Sie sind in Zunftentscheidungen stimmberechtigt, können jedoch die höheren Zunftämter nicht einnehmen.
Bezeichnung: normalerweise die reine Berufsbezeichnung ohne Zusatz

Dritter Rang

Kennzeichen: Hier finden sich die Leute, die man im Mittelalter als "Meister" bezeichnet hat. Sie haben einigen Wohlstand und ihre großen Werkstätten mit einigen Gehilfen und Lehrlingen finden sich an herausragenden Stellen der Stadt. Ihre Arbeit ist von hoher Qualität und kostet ihren Preis.
Zunftrechte: Sie bilden in den meisten Zünften die oberste Schicht und tragen die Macht, aber auch die Verantwortung in den höheren Zunftämtern (Zunftmeister, Schatzwart, Almosenwart...)
Bezeichnung: Fein-, Groß-, Frei-, -zunftler, -schaftler, -ständler

Vierter Rang

Kennzeichen: Es gibt stets nur wenige eines Berufes, die es geschafft haben, den vierten Rang zu erreichen. Sie zeichnen sich durch überragendes Können aus. Für ihre Werke reisen manche von weither an und zahlen beinahe jeden Preis. Sie leben oft weit von einander entfernt, und ob man sie eher in der Stadt oder auf dem Land antrifft, liegt allein in ihrem Ermessen. Ihre Kunden kommen zu ihnen, egal, wo sie wohnen.
Zunftrechte: Im Prinzip sind sie den Leuten des dritten Ranges gleichgestellt. Allerdings gibt es nur wenige Meister, die sich für die Belange der Zunft interessieren. Viele sind sogar aus der Zunft ausgetreten und verlassen sich allein auf ihr Können für Schutz und finanzielle Sicherheit. Auf der anderen Seite gibt es einige Zünfte, die sich aktiv darum bemühen, einen Meister in ihren Reihen zu haben, und so Kundschaft anzulocken. Andere Zunftmeister wiederum sind ganz froh, niemanden vor der Nase zu haben, der alles besser kann.
Bezeichnung: -meister

Ausbildung

Ein junger Mensch tritt im Alter von zehn bis vierzehn Jahren in den Betrieb seines Ausbilders ein. Gewisse Fertigkeiten, insbesondere Lesen, Schreiben und die Grundzüge des Rechnens werden vorausgesetzt. Je nach Talent und Fleiß kommt er dann nach etwa fünf Jahren für die Prüfung zum niedrigsten Rang in Frage.

Bei Erreichen des ersten Ranges gilt der Ausübende des Berufs als ausgebildet und vollwertig. In den meisten Berufen kann er sich nun selbstständig machen. Lehrlinge liegen unterhalb dieser ersten Stufe. Bis hierhin ist eine Mitgliedschaft in einer Zunft nicht von Nöten.

Will man aber weiter aufsteigen, kommt man um die Zünfte nicht herum. Denn wenn ein Platz in einem höheren Rang zu vergeben ist, kommt der Zunftrat zusammen, um eine Liste von geeigneten Kandidaten zusammenzustellen, die sich dann der Prüfung unterziehen dürfen. Geprüft wird dabei grundsätzlich von Angehörigen der Zielstufe oder einer höheren Stufe. Der Kandidat, der die Prüfer am meisten von sich überzeugen kann, steigt auf. Für die anderen beginnt das Warten erneut.

Es gibt keine festen Kriterien dafür, wer für die Prüfung geeignet ist und wer nicht, außer daß der Kandidat den um eins niedrigeren Rang haben muß. Ansonsten zählt allein der Eindruck, den die Ratsmitglieder von dem möglichen Kandidaten haben. Da sie auch mit der Wahrung der Qualität in ihrem Gebiet betraut sind, fällt es ihnen meistens nicht schwer, ein zutreffendes Urteil zu fällen und zur Not kann man den Kandidaten immer noch von Ratsmitgliedern begutachten lassen. Gegen die Entscheidung des Zunftrates gibt es keinerlei Einspruchmöglichkeiten. Ortsfremde oder Leute, die nicht der Zunft angehören, tun sich dementsprechend schwer aufzusteigen. Wer Wert auf eine Karriere legt, sollte also der Zunft beitreten und möglichst in einer Stadt bleiben - es sei denn, er hat wichtige Ratsmitglieder gegen sich aufgebracht, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu versuchen, an anderer Stelle die dortige Zunft durch sein Können zu beeindrucken.

Es gibt drei Möglichkeiten, sich das nötige Wissen anzueignen, um für die Prüfung zur nächsten Stufe in Frage zu kommen:

  • man arbeitet für eine Person mit höherem Rang (meist gegen sehr geringes Entgelt) und wird von ihr dafür unterwiesen. Das entspricht dem Verhältnis Geselle-Meister im irdischen Mittelalter.
  • man bezahlt einen Höherrangigen für Privatunterricht. Das ist in aller Regel sehr teuer, kann aber der schnellste Weg sein, um das nötige Können zu erreichen, da man nicht für anderweitige Arbeiten eingespannt wird, sondern sich allein dem Lernen widmet.
  • man hat genügend Talent und Übung, um sich das Können selbst zu erarbeiten.

Aufstieg in den höchsten Rang

Wer ein Meister seines Fachs werden will, muß einen anderen Weg gehen. Leute des vierten Ranges sind selten und leben meist weit auseinander. Wie sollten sie sich zusammensetzen, um über einen Prüfling zu befinden? Stattdessen muß sich derjenige, der in diesen höchsten Rang aufsteigen will, auf die Wanderschaft begeben. Er zieht von einem Meister zum anderen, arbeitet für ihn, lernt von ihm und bekommt schließlich ein Zeugnis, das er dann beim nächsten wieder vorweisen kann. Wenn schließlich einer der Meister ihn für gut genug befindet, erhebt der ihn in den neuen Rang und teilt dies den anderen Meistern und Zünften seines Landes mit. Es ist eine mühsame Zeit und dauert oft viele Jahre, aber ein gutes hat sie: weder gibt es eine festgelegte Anzahl an Meistern eines Handwerks, noch muß man dafür Zunftmitglied sein.

#BeschränkungBeschränkungen für den zweiten und dritten Rang

Jede Zunft kann beliebig viele Mitglieder des ersten Ranges aufnehmen, damit soll gewährleistet sein, daß jeder seine Ausbildung in angemessener Zeit beenden kann. Auch die Anzahl im vierten Rang ist nicht beschränkt, allerdings haben viele Zünfte überhaupt kein Mitglied der höchsten Stufe. Für die zweite und dritte Stufe hat jede Zunft aber nur eine bestimmte Anzahl an Plätzen. Nur wenn einer dieser Plätze frei ist, kann ein Mitglied aus dem nächst niederen Rang aufsteigen, oder ein Fremder des entsprechenden Ranges aufgenommen werden. Zumindest in Talilla und Belida, teilweise auch in Sabessa und Perhenien können die Zünfte diese Anzahlnicht selbst neu festlegen, sondern brauchen dafür ein hoheitliches Privileg.

In Talilla ist als weiteres Organ die Große Akademie beteiligt, wenn auch offiziell nur beratend. Wird eine Änderung der Zunftplätze in einer Stadt angedacht, so erstellt die Große Akademie oder ihre zuständige Vertretung vor Ort ein Gutachten dazu, das sie dem Provinzstatthalter (in der Königsprovinz dem König) vorlegt. Zwischen dem Ratschlag dieses Gutachtens, dem Willen der Zunft und anderen Interessen abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen, ist dann jedoch wieder alleinige Sache des Statthalters/Königs.

Eine Änderung der Anzahl an Plätzen ist stets ein Gegenstand der Politik und nicht selten Grund für Intrigen. Die Interessen sind vielfältig. Der eine Zunftobere mag sich mehr Plätze wünschen, um einen Sohn oder Verwandten unterzubringen, der nächste will keine Konkurrenz, um so seine Preise hoch zu halten. Für einen Fürsten oder Stadtrat sieht die Sache wieder anders aus. Von wenigen, reich verdienenden Handwerkern kann er vielleicht mehr Steuern einnehmen, als von vielen ärmeren. Aber nur eine große Zunft bietet die Möglichkeit, am lukrativen Fernhandel teilzunehmen. Andererseits sind große Zünfte aber auch mächtig und evtl. kann man sie in ihre Schranken verweisen, indem man eine gewünschte Erhöhung nicht genehmigt oder sogar Plätze streicht. Letzteres ist aber nur möglich, wenn gerade sowieso ein Platz vakant ist.


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Letzte Änderung: July 16, 2015, at 09:57 PM