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Das Leben der Ishia im Jahreskreis

Die Ishia leben als halbnomadische Jäger und Sammler sehr eng mit der Natur verbunden. Je nach Jahreszeit ändern sich ihre Lebensumstände.

Frühling

Wenn im Frühling der Schnee zu schmelzen beginnt und die ersten frischen Triebe erscheinen, verlassen die Ishia ihre Winterquartiere? in den Ahnbergen. Ob dies früher oder später geschieht, hängt vom Wetter ab und ob noch genügend Vorräte vorhanden sind. Jede Familie entscheidet selbst, wann genau sie das Winterquartier verläßt. In kleinen Gruppen, die selten mehr als zwei oder drei Familien umfassen, ziehen sie umher, um nach der langen Winterzeit wieder frische Nahrung zu finden. Dabei bleiben sie aber in der Nähe des Winterquartiers, um dort im Falle eines späten Wintereinbruchs Schutz suchen zu können.

Je länger die Tage werden, desto weiter ziehen kleine Grüppchen von jungen Jägern hinaus auf die Ebene, um Ausschau nach den großen Huftier-Herden zu halten, die sich nun auf die Wanderung nach Norden machen. Sobald die ersten Herden gesichtet sind, zieht ihnen der ganze Stamm entgegen und es beginnt die Zeit der großen Frühjahrsjagd. Angesichts des ersten erlegten Tieres wird vom Häuptling? das Ende des Winterrechts verkündet. Nun gibt es Fleisch im Überfluss und die Entbehrungen des Winters sind vergessen.

Sommer

Wenn die große Frühjahrsjagd zu Ende gegangen ist, beginnt für die Ishia der Sommer. Der Stammesverbund löst sich nun auf. In kleinen Gruppen ziehen die Ishia umher, um zu jagen und zu sammeln. Die Gruppen halten eher losen Kontakt, aber manchmal finden sich größere Kriegertrupps zusammen, um gemeinsam einen Überfall auf eines der Nachbarvölker durchzuführen.

Zur Mittsommerzeit findet sich der Stamm wieder zusammen. Alle sechs Jahre treffen sich sogar alle Stämme, um fast einen Monat zusammen zu verbringen. Bei diesem Großen Sommerfest wird der Name? der Ishia-Kinder endgültig bekräftigt, aber vor allem ist es eine Zeit, um alte Freundschaften zu pflegen, neue zu knüpfen und den Zusammenhalt zwischen den Stämmen zu fördern. In den übrigen Jahren kommen nicht alle Stämme zusammen, aber auch hier kann es sein, daß zwei Stämme den Mittsommer gemeinsam feiern.

Nach dem Mittsommerfest teilen sich die Stämme wieder in viele kleine Gruppen auf und führen dasselbe Leben wie im Frühsommer.

Herbst

Wenn die Tage kürzer werden, ziehen die großen Herden wieder nach Süden - es ist Zeit für die große Herbstjagd, zu der sich die einzelnen Stämme - jeder für sich - wieder sammeln. Diese Zeit ist nicht nur deswegen wichtig, weil jetzt die Fleischvorräte für den Winter angelegt werden, sondern auch, weil zu dieser Zeit die Sonnenbeeren reifen. Nicht nur die Jäger, auch die Sammlerinnen sind also emsig an der Arbeit.

Danach kommt der letzte Höhepunkt des Jahres: die Ernte der Bergkastanien. Diese Bäume überziehen in dichten Wäldern geschützte Talflanken der Ahnberge und liefern im Herbst eine reiche Ernte von süßlichen, stärkehaltigen Früchten. Eine gute Ernte kann das Gespenst des Hungers für einen Winter verjagen - sofern die Früchte richtig gelagert werden. Die Ernte beginnt in den weiter entfernten Gebieten, nach und nach zieht der Stamm näher an das Winterquartier heran. Bevor sie dort einziehen können, steht noch ein weiteres wichtiges Fest an: die Aufnahme? der jungen Leute in den Kreis der Erwachsenen.

Winter

Mit jeder Ladung Kastanien, die zum Winterquartier gebracht werden, bleiben ein paar Leute mehr dort, um die Häuser instand zu setzen und alles für die dunklen Monate vorzubereiten. Wenn dann die ersten eisigen Wintertage kommen, zieht der ganze Stamm in sein Winterquartier ein. Mit der Verkündung des Winterrechts ist die warme Jahreszeit endgültig beendet.

Der Winter ist vor allem eine Zeit des Müßiggangs. Zwar gibt es auch jetzt noch Reparaturen zu machen, aber vor allem wird viel geredet, gesungen und alte Geschichten erzählt. An besonders schönen Tagen machen sich vielleicht einmal ein paar Jäger auf, um den herrlichen Winterpelz eines Schneelöwens zu erbeuten, aber ansonsten geschieht in guten Wintern nicht viel.

In Hungerwintern sieht das aber anders aus. Dann müssen die Jäger selbst während der mörderischen Eisstürme hinaus, und die Sammlerinnen suchen verzweifelt nach essbaren Wurzeln, Baumrinde und ähnlichem. Dann ist das Winterlager geprägt von Krankheit und Hunger und man kann nur noch auf einen frühen Frühling hoffen.


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Letzte Änderung: March 18, 2014, at 09:24 PM