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Besitzverständnis der Ishia

Anders als bei den Neshtiseque, ihren direkten Nachbarn im Westen, gibt es bei den Ishia persönlichen Besitz. Allerdings unterscheidet sich ihr Verständnis etwas von dem, wie es bei den meisten Völkern Aurhims üblich ist.

Außer bei Geschenken kann man sich bei den Ishia nur durch eigene, persönliche Leistung ein Anrecht auf eine Sache erwerben. Eigentümer ist immer derjenige, der eine Sache nutzbar macht. Dieses Nutzbarmachen kann z.B. darin bestehen, einen Gegenstand herzustellen, ihn in einem Raubzug zu erbeuten oder ihn in der Natur einzusammeln und ins Lager zu bringen. So etwas wie Zinsen, d.h. ein Besitzzuwachs, der nur darauf beruht, dass man bereits anderen Besitz hat, wäre bei ihnen undenkbar. Auch Landbesitz ist ihnen fremd.

Pferde? gehören mit zu den wertvollsten Besitztümern der Ishia. Sie werden von ihnen aber nicht selbst gezüchtet. Ein Ishia, der sich eine Wildstute fängt und zureitet, macht sie zu seinem Besitz. Sollte die Stute aber trächtig sein, so hat er keinen Besitzanspruch auf das Fohlen, da er nichts getan hat, um es sich zu verdienen. Das Fohlen hätte solange keinen Eigentümer, bis es selbst zugeritten wird. Ob von der gleichen Person oder einer anderen spielt dabei keine Rolle. In der Realität stellt sich dieser Fall allerdings fast nie und dient hier eher der Illustration. Normalerweise wird in so einem Fall das Fohlen getötet, um die volle Arbeitskraft der Stute zu erhalten. Für Nachschub an jungen Tieren kann man ja immer auf Wildpferde zurückgreifen.

Nahrung

Jegliche Form von Nahrung nimmt eine Sonderstellung ein. Sie gehört nicht dem, der sie erworben hat, sondern immer dem gesammten Stamm, bzw. dem Teil davon, der gerade beisammen ist. Der Jäger, der das Tier erbeutet hat, bekommt alles, was an einem Tier nicht als Nahrung verwertbar ist (z.B. Haut und Knochen), das Fleisch wird Allgemeinbesitz des Stammes. Näheres dazu im Artikel zur Ernährung der Ishia?.

Erbschaft

Jeder Ishia kann alles in seinem Besitz jederzeit verschenken, ohne Einschränkung, was angemessen ist und was nicht. Eine Erbschaft im engeren Sinne gibt es dagegen nicht. Stirbt ein Ishia, so wird sein gesamter Besitz "herrenlos". Er wird irgendwo außerhalb des Lagers abgelegt und wer etwas davon brauchen kann, nimmt es sich. Der Rest verrottet. Sind im Besitz des Verstorbenen aber Gegenstände, von denen anzunehmen ist, dass sich mehrere Leute dafür interessieren, dann werden um diese Dinge Wettkämpfe veranstaltet, durch die sich der Sieger das Recht auf den Gegenstand verdienen kann. Diese Wettkämpfe haben zwar primär den Zweck, Streit und Zwist im Stamm zu vermeiden, gelten aber auch als Ehrbezeugung dem Verstorbenen gegenüber. Leibliche Kinder, Ehepartner oder enge Verwandte sind in diesen Wettkämpfen in keinerlei Weise bevorzugt.

Handel

Da die Ishia kein Geld kennen, finden Warenbewegungen bei ihnen ausschließlich auf Tauschbasis statt. Das meiste davon findet innerhalb eines Stammes statt, wobei es hier eher um Kleinigkeiten geht (z.B. ein paar Pfeile gegen etwas gegerbtes Leder). Kommen zwei oder mehr Stämme zusammen, insbesondere beim Großen Sommerfest, dann setzt meist ein reges Tauschen ein. Hier steht oft weniger der Gedanke an Nützlichkeit im Vordergrund, sondern eher der Wunsch, etwas Besonderes zu besitzen.

Tausch mit anderen Völkern ist dagegen eher selten. Da die Ishia in aller Regel von sich aus keinen friedlichen Kontakt zu ihren Nachbarn suchen, beschränkt er sich auf die wenigen Gelegenheiten, wenn ein fremder Händler sich zu ihnen wagt (auf regelmäßiger Basis machen das fast nur die Neshtiseque) oder der Zufall zu einem Zusammentreffen geführt hat.

Wetthandel

Neben dem reinen Tauschhandel kennen die Ishia noch eine zweite Form: den Wetthandel. Dabei bringt jeder der beiden Wettpartner einen Gegenstand ein, die allerdings nicht von gleichem Wert sein müssen. Über diese Gegenstände wird eine Wette abgeschlossen, meist in Verbindung mit einem irgendwie gearteten Zweikampf. Dabei werden die Bedingungen so ausgehandelt, daß jeder der beiden Partner mit der Mischung aus Risiko und Gewinnchance zufrieden ist. Der Sieger erhält dann beide Gegenstände.

Der Wetthandel bietet für den "ärmeren"1 Partner die Chance, einen Gegenstand zu erwerben, den er sich eigentlich nicht leisten könnte, allerdings mit dem nicht unbeträchtlichen Risiko, nachher weniger zu besitzen als vorher. Der "reichere" Partner wird dagegen mit großer Wahrscheinlichkeit der Sieger sein, doch ganz ausschließen läßt sich das Risiko nicht, daß er seinen wertvollen Besitz hergeben muß.

1 Arm und reich sind hier in Anführungszeichen gesetzt, da der materielle Besitz für den Status eines Ishia keine Rolle spielt und jemand, der einen wertvollen Gegenstand besitzt (z.B. ein Schwert oder ein gutes Pferd), deswegen nicht automatisch auch reich an anderen Besitztümern sein muß.


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Letzte Änderung: March 18, 2014, at 09:28 PM